Das ist ein Teil meiner langjährigen Erfahrungen mit der Deutschen Bahn. Erlebnisse, die mir schon lange auf der Seele lagen und die ich hier nun mitteilen möchte. Entgegen der allgemeinen Meinung denke ich, dass das Auto nichts mit Freiheit zu tun hat, doch es verleiht mir in einem Punkt tatsächlich ein Freiheitsgefühl: nicht mehr auf die Bahn angewiesen zu sein - und das fühlt sich einfach nur spitze an!
Drei Jahre lang stand ich täglich morgens und nachmittags am Riesaer Bahnhof und wartete auf meinen Zug. Ohne Übertreibung kann ich sagen, dass ungefähr jeder zweite Zug zu spät kam, im allgemeinen zwischen fünf und fünfzehn Minuten. Die ICE´s kamen fast immer zu spät und meistens nicht unter 20 Minuten.
Den folgenden Berichten liegt vor allem das Thema Mitarbeiterfreundlichkeit zugrunde: Kurz nach Anfahrt des Zuges nach Dresden quietschte es laut und mit einem starken Rucken kam der Zug zum stehen. Kurz darauf kamen ein männlicher Zugbegleiter und der Lokführer in unseren Wagon gestürmt und begannen lautstark einen Fahrgast auszuschimpfen. Der Fahrgast erwies sich als wahrhaft blinder Passagier, er war tatsächlich komplett blind und wollte nur das Fenster öffnen, erwischte statt dessen jedoch die Notbremse.
Ein amüsanter Vorfall, denkt man sich da, obwohl sicher jeder froh war, dass es nicht bei voller Fahrt passiert ist. Dennoch ließen die beiden Bahnangestellten nicht locker und schimpften lautstark weiter, wollten ihm ein Bußgeld und eine Strafanzeige aufs Auge drücken. Erst nachdem sich der größte Teil der Fahrgäste darüber empörten, ließen die beiden Mitarbeiter von dem Blinden ab, ob sie dennoch seine Personalien aufnahmen und ob das ganze für ihn Folgen hatte, weiß ich nicht.
Ich bin gelernter Altenpfleger und arbeite in der Heimbeatmung. Mein Patient ist an den Rollstuhl gebunden und wird, wie man sich denken kann, künstlich beatmet. Da er trotz allem gerne in der Welt rumkurvt, fahren wir oft mit der Bahn. Zum Ein- und Aussteigen benötigen wir häufig die Hilfe eines Bahnangestellten.
Als ich letztes mal beim Hauptbahnhof Dresden anrief und eine Fahrt von Dresden nach Chemnitz anmelden wollte (damit besagter Bahnangestellter hilfreich bereitsteht, was zur hochgepriesenen Serviceleistung der Bahn gehört), wurde mir gesagt, das müsse nicht angemeldet werden, das erledige der Zugbegleiter. Offensichtlich hatte der Zugbegleiter keine Lust dazu, denn in Chemnitz, wie auch in Dresden, stand niemand von der Bahn bereit.
Das witzige daran ist, dass ich vor der Fahrt noch einmal bei der Bahn anrief und die Fahrt wider der Empfehlung der DB dennoch anmeldete, und trotzdem standen wir alleine da. In Chemnitz half uns dann der Zugführer und in Dresden die Passagiere. Als ich mich deshalb am DD-Hbf beschweren wollte, erhielt ich in herablassendem Ton die Antwort, dass man auch noch anderes zu tun habe und zuletzt noch den Rat: "Wenn Sie spontan und ohne Anmeldung reisen, kann es passieren, dass Sie spontan alleine da stehen.", woraufhin sich die Tür vom "Servicecenter" vor mir schloss. Unfassbar, oder?
Anderes Erlebnis aus dem Jahre 2008: Ich musste morgens mal wieder mit der Bahn nach Riesa fahren, doch der Fahrkartenautomat wartete sich (wohlgemerkt 7.00Uhr) und dachte auch nicht daran, damit aufzuhören. Da ich nicht zu spät kommen wollte, stieg ich dennoch zu und wollte eine Karte nachlösen. Ich wusste schon, dass das neuerdings im Zug nicht mehr geht, aber irgendeinen anderen Weg, legal mit der DB fahren zu können, dachte ich mir, musste es doch geben.
Diesen Sachverhalt erklärte ich auch der Schaffnerin, nachdem ich sie aufgesucht hatte. Die war auch recht umgänglich, sagte mir, sie könne keine Fahrkarte ausdrucken, würde mir aber den üblichen Zettel geben, den man bekommt, wenn man schwarz fährt, allerdings mit dem Hinweis darauf, dass der Fahrkartenautomat defekt sei. Das werde dann geprüft und mir würde lediglich die Fahrkarte in Rechnung gestellt werden. "So handhaben wir das in solchen Fällen, Sorgen machen brauchen Sie sich keine, alles wird seinen Gang gehen", meinte die Gute Frau zu mir.
Vier Wochen später kam ich dann aus dem Urlaub wieder, im Briefkasten eine Mahnung von der DB sowie ein Schreiben von der zuständigen Inkassofirma, ich solle 40 € Strafe wegen Schwarzfahrens und ca. 75 € wegen der Inkassofirma zahlen, da ich auf die erste Mahnung nicht reagiert habe (ich war ja auch im Urlaub).
Natürlich rief ich sofort an, erklärte die wahren Umstände und der Sachbearbeiter der DB versprach eine Prüfung, die Inkassogebühren sollte ich aber dennoch zahlen. Statt einer Nachricht bezüglich der Prüfung erfolgte ein weitere Zahlungsaufforderung seitens des Inkassounternehmens, verbunden mit weiteren Kosten, alles Reden, dass es sich um ein Missverständnis handele und um ein "schwebendes" Verfahren, half nichts.
Ich rief wieder an und aha! - dann wurde endlich geprüft, ob an besagtem Tag etwas an dem Automaten nicht stimmte, und die Prüfung, wie auch immer die ausgesehen haben mochte, ergab... dass alles einwandfrei funktioniert habe! Ich rief wieder bei der DB an, fragte, was denn wenigstens mit dem Hinweis auf dem Zettel sei, den mir die Schaffnerin ausgehändigt hat. Die Antwort war einfach nur niederschmetternd: Der Code auf besagtem Ausdruck sage nichts anderes aus als "Schwarzfahrer".
Ich habe noch versucht zu diskutieren, habe meine Situation dargestellt und mich beschweren wollen, was mit einem kurzen aber bündigen Auflegen quittiert wurde.Tja, das ganze hat ca. acht Monate gedauert und ich habe dann irgendwann aufgegeben und ca. 150 € überweisen müssen, um endlich Ruhe zu haben. Meine Erkenntnis dabei ist leider, dass man auf solchen Wegen in Deutschland wohl wirklich schneller zu Geld kommt.
Die Schaffnerin hat sicher eine kleine Provision dafür bekommen, dass sie einen vermeintlichen Schwarzfahrer entdeckt hat. Doch hätte sie keine Provision verlockt, vielleicht hätte sie mir dann nicht acht Monate Frust, Verzweiflung und das Gefühl unerträglicher Ohnmacht, mal ganz abgesehen von den 150 € verursacht!
Was jedoch der größte Unsinn an allem ist: Warum kann ich im Zug keine Fahrkarte kaufen? In jedem europäischen Lande komme ich definitiv an eine Fahrkarte, jede Straßenbahn hat Fahrkartenautomaten eingebaut, jeder U-Bahnhof hat mehrere Fahrkartenautomaten, nur bei der Deutschen Bahn kann es vorkommen, dass man eben keine Karte bekommt.
Mir drängt sich da der Verdacht auf, dass es vielleicht so beabsichtigt ist, denn Menschen, die mit der Bahn fahren, eilig noch in der letzten Minute in den Zug springen, vor verschlossenen Schaltern stehen oder eben vor defekten Automaten, so wie ich, können häufig nicht eben mal so auf ihren Zug verzichten. Die sind dann natürlich ein gefundenes Fressen für provisionshungrige Zugbegleiter und bringen doch mehr Geld, wenn sie Strafe zahlen müssen.
Solange ich mir ein Auto leisten kann, ein günstiges Flugticket oder eine Mitfahrgelegenheit bekomme, werde ich keinen Zug der DB mehr betreten!