Ich saß heute (24.Mai 2010) nach einem anstrengenden Wochenende im Zug von Düsseldorf über Koblenz zurück nach Saarbrücken. Im Zug wurde mir freundlicherweise von meiner Mutter telefonisch mitgeteilt, dass zwar kein Anschlussbus nach Lebach, dafür aber ein Anschlusszug dorthin fahren würde.
Meine Fahrkarte hatte ich aber nur von Düsseldorf bis Saarbrücken gekauft, weshalb ich mir also am Saarbrücker Hauptbahnhof eine neue Karte nach Lebach kaufen wollte. Allerdings kam es wegen diversen Schwierigkeiten und Bauarbeiten an den Gleisen (so sah es jedenfalls vom Fenster aus aus) zu einer Verspätung des Zuges, welcher erst um 15.08 Uhr den Hauptbahnhof erreichte. Mein Anschlusszug sollte um 15.10 Uhr abfahren, weshalb mir logischerweise keine Zeit mehr für mein Ticket blieb. Um Vorurteilen vorzubeugen: Ich hatte nicht eine Sekunde lang vor, schwarz zu fahren (man versucht ja schließlich, anständig zu sein). Viel mehr wusste ich, dass es auch IN den Zügen Fahrkartenautomaten gab, weshalb ich ohne zu zögern zu meinem Bahngleis lief. Die Zugtüren waren bereits geschlossen, der Motor lief und ich freute mich, den Zug gerade noch erreicht zu haben.
Ich quetschte mich also vollbepackt mit Koffer und Taschen durch die Wagonflure, bis ich zum vermeintlichen Fahrkartenautomaten kam, auf dem "Defekt" stand. Wie sollte es denn auch anders sein. Ich glaube mittlerweile, dass diese Automaten lediglich zur Dekoration dort stehen. Ich jedenfalls habe, wenn ich genauer überlege, noch nie einen funktionierenden Automaten IM Zug gesehen. Okay, dachte ich, gehe ich halt nach vorne zum Zugpersonal. Mit betont freundlicher Miene (ich weiß ja, wie nervenaufreibend es sein kann, den ganzen Tag Zug zu fahren) fragte ich eine blonde, beim Schaffner sitzende Frau von der DB, ob ich denn bei ihr eine Fahrkarte kaufen könne.
"Ja, das können Sie machen, das kostet Sie dann 40€", meinte sie mit gelangweilter, kühler und ganz und gar nicht freundlicher Stimme (seltsam, und ich dachte, in unserer Dienstleistungsgesellschaft wird hoher Wert auf übertriebene Freundlichkeit gelegt? Davon war nichts zu spüren.). Da normalerweise ein Ticket 6,20€ bis Lebach kostet, schaute ich sie verwundert an und setzte zu einer weiteren Frage an, als sie mir das Wort abschnitt: "Wenn der Zug fährt und Sie sich darin befinden, zahlen Sie 40€." Als ich daraufhin zu erklären versuchte, dass mein letzter Zug Verspätung hatte (und das nicht wegen mir) und ich diesen verpasst hätte, wäre ich nicht sofort zum Bahngleis gelaufen und letztlich auch noch der im Zug befindliche Automat defekt war, erwiderte sie ziemlich zickig: "Entweder Sie steigen aus, oder Sie zahlen, alles andere ist nicht meine Angelegenheit." Der Zug war derweil schon am Rollen, doch ich bestand darauf, auszusteigen, da ich mir diesen Witz nicht leisten konnte.
Fasse ich also zusammen: Ich kam wegen der Deutschen Bahn zu spät in Saarbrücken an. Ich hatte wegen der Deutschen Bahn keine Zeit mehr zum Fahrkartenschalter zurückzulaufen, da ich sonst meinen Anschlusszug verpasst hätte, den ich im Normalfall bei Pünktlichkeit der Deutschen Bahn ohne Anstrengung und Schwierigkeiten erreicht hätte. Ich WOLLTE ein Ticket kaufen, was ich allerdings wegen technischen Mängeln der Deutschen Bahn im Zug nicht verwirklichen konnte. Ich wurde von einer unfreundlichen Frau der Deutschen Bahn mit eiskaltem Desinteresse behandelt wie ein Schwarzfahrer, was ich als eine persönliche Beleidigung empfinde, da ich extra zu ihr gegangen bin und von daher von Anfang an auszuschließen war, dass ich vorhatte schwarz zu fahren. Ich wurde von der gleichen unfreundlichen Frau gezwungenermaßen aus dem Zug getrieben. Ich musste wegen der unglaublichen Inkompetenz dieser Frau den eine Stunde (!) später fahrenden Zug nehmen, weshalb ich zu spät zu einem für mich wichtigen Termin kam (aber das kann dieser Frau ja egal sein; sie kriegt ihr Geld ja trotzdem, haha.). Und schließlich habe ich wegen der Respektlosigkeit und der spöttischen Arroganz dieser Frau, die in diesem Falle stellvertretend für die Deutsche Bahn steht, gerade eine solche Wut, dass ich meine restliche Zeit (den Termin habe ich ja nun verpasst) nun für diesen Beschwerdetext opfere, um meinen Aggressionen Luft zu machen.
Fazit: Nächstes Mal fahre ich einfach so und spare mir den weiten Weg durch die Zugabteile zu irgendwelchen unfreundlichen Menschen, die mit einer Miene äußerster Verbitterung und Wut über ihre eigenen Lebensumstände nur darauf warten, an Fahrgästen durch sadistische Äußerungen ihr Leid auszulassen. So wie sie sich letztlich um 16.10 Uhr ja auch den Weg durch den Zug gespart hat, um die Fahrkarten zu kontrollieren. Dabei habe ich die ganze Fahrt über auf sie gewartet, meine Fahrkarte in der Hand.
Schade aber auch.
Bravo, Deutsche Bahn. Die Liste eurer Witze wird immer länger.